Die Vor- und Nachteile der Dummheit. Nr. 1: Einführung.

Es ist kaum vorstellbar, dass etwas so häufig Vorkommendes und offensichtlich Unausrottbares wie die Dummheit keine Vorteile hat. Diese vor allem sollen in diesem Blog beleuchtet werden.

Dieser erste Beitrag dient der Begriffsdefinition.

Vieles, was über die Dummheit gesagt und geschrieben wird, leidet darunter, dass nicht deutlich wird, was jeweils unter Dummheit verstanden wird.

Menschen werden oft als dumm bezeichnet, darum geht es uns in diesem ersten Beitrag aber noch nicht. Es gibt aber viele eigentlich intelligente Menschen, die mitunter dumm handeln oder Blödsinn reden. Oder, anders ausgedrückt, es gibt dumme Handlungen, und es gibt dumme Äußerungen. Auch gibt es dumme Regeln, also etwa Gesetze.

Das Wort dumm vermischt verschiedene Aspekte, die hier auseinandergehalten werden sollen.

Wahlweise wird dumm als das Gegenteil von dumm schlau, klug, weise oder auch intelligent verstanden.

Aber was ist da der Unterschied?

Hier in meinem Blog wird darunter Folgendes verstanden:

  • „Schlau“: Dient – zumindest kurzfristig – dem eigenen Vorteil, ohne Rücksicht auf die Belange der Mitmenschen.
  • „Klug“: Dient – auch längerfristig – dem eigenen Vorteil, berücksichtigt zudem auch die Interessen der Mitmenschen.
  • „Weise“: Ist nicht nur für das jeweilige Individuum und seine Mitmenschen längerfristig vorteilhaft, sondern sozusagen bis in alle Ewigkeit.

Es wird hier also auch ein moralischer Aspekt berücksichtigt. Die Schlauheit ist egoistisch, die Klugheit moralisch zumindest neutral und die Weisheit stets ethisch einwandfrei.

Der Begriff Intelligenz ist wertneutral, er wurde in der psychologischen Wissenschaft entwickelt und definiert. Er bezieht sich eigentlich auf Personen, die – gemessen mit Intelligenztests – mehr oder weniger intelligent sein können. Er wird aber auch im Zusammenhang mit einzelnen Verhaltensweisen gebraucht. („Den Schlüssel in der Wohnung zu lassen und dann von außen die Haustür zuzuschlagen, war aber nicht sehr intelligent von dir.“) Ob der Begriff wirklich so wertneutral ist, wie er ursprünglich gemeint war, ist allerdings die Frage. Jedenfalls dürfte kaum jemand begeistert sein, wenn er in einem Intelligenztest schlecht abschneidet oder von anderen für wenig intelligent gehalten wird.

Das Problem des Wortes dumm ist, dass damit jeweils das Gegenteil der soeben erörterten Begriffe gemeint sein kann, es aber durchaus nicht immer klar ist, ob gerade das Gegenteil von schlau, klug, weise oder intelligent gemeint ist.

Im Folgenden geht es vor allem um die Wörter schlau und klug. Auf die Intelligenz gehen wir in unserem nächsten Beitrag ein, und die Weisheit überlassen wir den Philosophen.

Das Gegenteil von klug ist unklug, ein durchaus gängiger Begriff, der sich auch im Duden findet.

Das Gegenteil von schlau wird in meinem Blog als unschlau bezeichnet. Dieses Wort wird – wenn überhaupt – selten gebraucht, auch im Duden habe ich es nicht gefunden. Aber jeder kann sich wohl vorstellen, was damit gemeint ist. Hierunter  fallen etwa Verhaltensweisen, die unter dem Motto „dümmer als die Polizei erlaubt“ stehen, wenn also etwa wenn jemand unmaskiert eine Tankstelle überfällt, in der er erstens bekannt ist und zweitens eigentlich wissen müsste, dass dort eine Überwachungskamera ist. Der Begriff dumm wird in diesem Zusammenhang allerdings auch gebraucht, wenn etwa ein Einbrecher seinen frisch ausgestellten Personalausweis am Tatort lässt; hier dürfte es sich in der Regel aber nicht um Unschlauheit, sondern eher um Schusseligkeit handeln.

In unseren Beiträgen werden wir das Wort dumm weitgehend vermeiden und stattdessen von unklug bzw. unschlau sprechen.

Wir haben es also, um das Wesentliche noch einmal zusammenzufassen, mit folgenden beiden Begriffen und dem jeweiligen Gegenteil zu tun:

  • Klug. Eine Aussage, eine Handlung oder auch eine Regel ist klug, wenn sie – auch längerfristig – von Vorteil ist, wobei die Interessen der Mitmenschen berücksichtigt werden. Das Gegenteil ist unklug.
  • Eine Aussage, eine Handlung oder auch eine Regel ist schlau, wenn sie – auch längerfristig – für einen selbst von Vorteil ist, wobei die Interessen der Mitmenschen keine Rolle spielen. Das Gegenteil ist unschlau.

Bosbach verlässt Maischberger-Talkshow

Nachdem Wolfgang Bosbach die Maischberger-Show verlassen hatte, wurde ihm in einem Kommentar von Christiane Hoffmann im SPIEGEL (29/2017, S. 10) unterstellt, dass er dies kalkuliert getan habe, um auch weiterhin im Gespräch zu bleiben und in Talkshows eingeladen zu werden.

Dazu habe ich einen Leserbrief an den SPIEGEL gemailt, der folgenden Inhalt hat:

Zugegeben: Ich bin bekennender Bosbach-Fan. Ich habe den Eindruck, dass er keine leeren Phrasen drischt, sondern dass er sachkundig ist, erfahren, fair, sein Fähnchen nicht nach dem Winde hängt – klug im besten Sinne des Wortes. (Allerdings halte ich ihn auch für einen Menschen, also weder für unfehlbar noch frei von jeglichen Schwächen.) Darüberhinaus halte ich ihn für engagiert, zudem ist er auch noch rhetorisch ein As. Gefühlten 95% seiner Äußerungen kann ich vorbehaltlos zustimmen, und das, obwohl ich nach eigener Einschätzung eher links-liberal bin. (Frau Hoffmann würde mich wohl eher als Rechtsaußen einschätzen.)

Dafür, dass Wolfgang Bosbach die Sendung verlassen hat, war – so Christiane Hoffmann – der Auftritt von Jutta Ditfurth „bestimmt keine hinreichende Erklärung“. Sie kann sich nicht vorstellen, dass jemandem der Kragen platzt, nur weil Jutta Ditfurth etwa schildert, wie brutal die Polizei gegen Menschen vorgegangen ist, nur, weil diese dunkel gekleidet waren. (Jetzt ist mir erst bewusst geworden, was ich bisher für ein Glück gehabt habe. Auch ich bin oft dunkel gekleidet, und in diesem Aufzug jahrelang in verschiedenen deutschen Städten rumgelaufen, und ich bin bisher noch nie von der Polizei zusammengeschlagen worden. Toi, toi, toi!)

Ich gehe davon aus, dass die journalistische Arbeit von Christiane Hoffmann unter der Maxime steht, die Wahrheit zu finden, die Fakten zu benennen und die eigene – faktenbasierte – Meinung unerschrocken zu formulieren. (Und nicht etwa auf Quoten zu schielen, oder gar nach dem Grundsatz vorzugehen: Immer kräftig verleumden, irgendetwas bleibt immer hängen.)

Ist es Christiane Hoffmann mit diesem Beitrag gelungen, einem aufmerksamkeitsgeilen Narzissten die Maske vom Gericht zu reißen? Mich hat sie nicht überzeugt.

Lutz Gretenkord, Marburg