Bosbach verlässt Maischberger-Talkshow

Nachdem Wolfgang Bosbach die Maischberger-Show verlassen hatte, wurde ihm in einem Kommentar von Christiane Hoffmann im SPIEGEL (29/2017, S. 10) unterstellt, dass er dies kalkuliert getan habe, um auch weiterhin im Gespräch zu bleiben und in Talkshows eingeladen zu werden.

Dazu habe ich einen Leserbrief an den SPIEGEL gemailt, der folgenden Inhalt hat:

Zugegeben: Ich bin bekennender Bosbach-Fan. Ich habe den Eindruck, dass er keine leeren Phrasen drischt, sondern dass er sachkundig ist, erfahren, fair, sein Fähnchen nicht nach dem Winde hängt – klug im besten Sinne des Wortes. (Allerdings halte ich ihn auch für einen Menschen, also weder für unfehlbar noch frei von jeglichen Schwächen.) Darüberhinaus halte ich ihn für engagiert, zudem ist er auch noch rhetorisch ein As. Gefühlten 95% seiner Äußerungen kann ich vorbehaltlos zustimmen, und das, obwohl ich nach eigener Einschätzung eher links-liberal bin. (Frau Hoffmann würde mich wohl eher als Rechtsaußen einschätzen.)

Dafür, dass Wolfgang Bosbach die Sendung verlassen hat, war – so Christiane Hoffmann – der Auftritt von Jutta Ditfurth „bestimmt keine hinreichende Erklärung“. Sie kann sich nicht vorstellen, dass jemandem der Kragen platzt, nur weil Jutta Ditfurth etwa schildert, wie brutal die Polizei gegen Menschen vorgegangen ist, nur, weil diese dunkel gekleidet waren. (Jetzt ist mir erst bewusst geworden, was ich bisher für ein Glück gehabt habe. Auch ich bin oft dunkel gekleidet, und in diesem Aufzug jahrelang in verschiedenen deutschen Städten rumgelaufen, und ich bin bisher noch nie von der Polizei zusammengeschlagen worden. Toi, toi, toi!)

Ich gehe davon aus, dass die journalistische Arbeit von Christiane Hoffmann unter der Maxime steht, die Wahrheit zu finden, die Fakten zu benennen und die eigene – faktenbasierte – Meinung unerschrocken zu formulieren. (Und nicht etwa auf Quoten zu schielen, oder gar nach dem Grundsatz vorzugehen: Immer kräftig verleumden, irgendetwas bleibt immer hängen.)

Ist es Christiane Hoffmann mit diesem Beitrag gelungen, einem aufmerksamkeitsgeilen Narzissten die Maske vom Gericht zu reißen? Mich hat sie nicht überzeugt.

Lutz Gretenkord, Marburg