LG’s Book Reviews No. 2018-01. Ross & Hilborn (2008)

Book review of Ross, R. R. & Hilborn, J. (2008). Rehabilitating Rehabilitation. Neurocriminology for treatment of antisocial behavior. Ottawa: Cognitive Centre of Canada.

(ISBN 978-1-896310-05-3. Can be obtained at the Cognitive Center of Canada, Suite 294, 200 Rideau Terrace Ottawa, Canada, K1M0Z3, with a Check in currency equivalent to Canadian $ 29.50 + postage (for US orders: $ 18.50 surface; $ 38.50 air; for Europe orders surface $ 21.50; air:. $ 46.00.)

There is no better way to awaken the good in people than to treat them as if they were already good.

Gustav Radbruch[i]

 

The Reasoning and Rehabilitation Program (R&R) is a cognitive-behavioural approach which aims to change the attitudes and behaviour of offenders and thereby reduce the risk of relapse. It was developed by the Canadian psychologist Robert R. Ross, emeritus professor of criminology at the University of Ottawa, who was also chief psychologist at the „Ministry of Correctional Services in Canada for juvenile and adult offenders“ for twelve years. For his work with antisocial young people he was awarded the „Centennial Medal of Canada“.

The effectiveness of R&R – starting signal was 1986 – is by now well documented, a meta-analysis (26 comparisons between treatment and control groups) resulted in a reduction of relapse rate by an average of 14% (Tong & Farrington 2006[ii]). The R&R is probably the most widely implemented relevant intervention worldwide; by now over 70,000 volunteers from 22 different countries – including Germany[iii], Hong Kong, Japan and the United Arab Emirates – have participated in R & R.

In the book reviewed here recent research results relevant to R&R are described, in particular regarding „Neurocriminology“. There is evidence that persons who behave prosocial create „prosocial connections“ in their brain (S. 233).

Such findings were included in the „R&R2“ programs, which meanwhile were published by the „Cognitive Centre of Canada“[iv] and which are also described in this book. The original version included at least 35 two-hour sessions, the new variants only about half this number. Furthermore, they are usually tailored to specific groups, such as mentally ill offenders or relatives of criminals.

In the original R&R version sometimes antisocial roles are embodied in role-play by participants. There is a risk – that can be confirmed completely by the writer of this review after of his long experience as R&R Coach[v] and R&R Instructor[vi] – that the „actors“ do not refer the applause they receive for their performance (eg laughter) to their performance but to their antisocial remarks. Therefore, a new principle of R&R says that participants must never embody antisocial roles and it must be ensured even more that prosocial behaviour and prosocial statements are often reinforced (p 234-235).

The R&R does not want to replace other interventions with offenders. It is a training of social competence, and not „therapy“ in the sense that the misdeeds of participants are discussed. The atmosphere should correspond more to an open university course than to a group of sinners who mutually pledge to improvement. This is probably the main reason why the program is well accepted by most participants. Therefore, it is recommended – eg when interventions are planned in prison – to begin with R&R in order to promote the general treatment readiness. Also, the strengths and weaknesses of participants can thus be better appreciated, which is useful for further treatment planning. Furthermore, acceptance is augmented because certain counter-productive behaviours must be avoided by R&R coaches. In the course of his work as instructor the author of this review has come to stigmatize three of these errors as a „deadly sins“: First, humiliate participants, secondly, to give the moral high ground, and thirdly – here one may argue whether this is really a capital offense – to keep monologues. The participants should not fall asleep but actively participate from the start.

This easy to read and with British humour – Ross grew up in Scotland – interwoven book can be recommended to all who are practicing R&R, in particular of course coaches and instructors. But since many fundamental problems of offender treatment and related research results are addressed and reported it can be recommended to all people interested in the rehabilitation of offenders.

 

[i] Gustav Radbruch (1878-1949) was a German politician and jurist.

[ii] Tong, J. L. S & Farrington, D. (2006). How effective is the „Reasoning and Rehabilitation“ programs in reducing reoffending? A meta-analysis of regular evaluations in four countries. Psychology, Crime & Law, 22, 3-24.

[iii] Gretenkord, L. (2017). R&R – Das Reasoning and Rehabilitation Programm. In R. Müller-Isberner, P. Born, S. Eucker, & B. Eusterschulte (Eds.), Praxishandbuch Maßregelvollzug. Grundlagen, Konzepte und Praxis der Kriminaltherapie (3., erweiterte und aktualisierte Aufl.) (S. 433-441). Berlin: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft.

[iv] https://www.cognitivecentre.ca/

[v] R&R „trainer“ or „coach“ is a person leading a course. They are trained in a one-week course.

[vi] R&R „instructors“ are the persons who have been qualified by the Cognitive Centre of Canada and authorized to „train the trainers“, that is the R&R coaches.

Die Vor- und Nachteile der Dummheit Nr. 5. Schlaue Chefs und kluge Regeln

Kennen Sie das auch? Sie haben eine gute Idee und präsentieren diese Ihrem Chef. Wenn Sie einen guten Chef haben und der auch noch einen guten Tag hat, wird die Idee begeistert aufgenommen, Sie dürfen Sie in die Tat umsetzen, Sie werden gelobt und verbessern Ihre Aufstiegschancen. So macht die Arbeit Spaß!

Es kann aber auch anders kommen.

Ihr Chef erklärt Ihre Idee für idiotisch; drei Tage später präsentiert er sie in der Konferenz als seine eigene Idee.

Oder Ihr Chef unterbricht Sie, hört Ihnen gar nicht zu, gibt Ihnen zu verstehen, dass er genervt ist.

Oder Ihr Chef hört zwar zu, versteht die Idee aber trotzdem nicht. Weil er aber nach eigener Einschätzung superintelligent ist, kommt er zu dem Schluss, dass es sich nur um eine saudumme Idee handeln kann. Wenn sich die Idee doch irgendwann mal durchsetzt, wird er z.B. sagen, dass Sie nicht in der Lage gewesen seien, die Idee nachvollziehbar zu präsentieren, dass außerdem er selbst oder ein anderer Mitarbeiter diese Idee schon viel früher gehabt hätten.

Die Firma Siemens hat 350.000 Mitarbeiter/-innen und viele Chefs, und nicht alle sind immer perfekt. Um den Schaden, der durch deren Sünden verursacht wird, einzugrenzen, wurde ein Innovationsfond bereitgestellt, ausgestattet mit hundert Millionen Euro.[1] An der Höhe dieser Summe ist erkennbar, wie hoch der Schaden durch solches Vorgesetztenverhalten eingeschätzt wird.

Wenn ein Mitarbeiter mit einer Idee bei seinem Vorgesetzten nicht durchkommt, kann er sie bei einem unabhängigen Gremium einreichen. Bislang sind über 80% dieser Vorschläge als brauchbar befunden und finanziell honoriert worden. Wenn ein Chef zuvor eine solche Idee abgelehnt und auch noch schlecht über sie geredet hat, hat er sich doppelt disqualifiziert. Lernfähige Chefs werden sich zukünftig anders verhalten.

Eine kluge, intelligente Regel! Sie ist gut für den ideenreichen Mitarbeiter und den Betrieb. Auf Kritik wird sie bei weniger klugen Vorgesetzten stoßen, die ihre Position aufgrund ihrer Schlauheit und Skrupellosigkeit errungen haben, und die mehr um ihr eigenes Wohl als das der Menschheit allgemein und der Firma im Besonderen besorgt sind.

[1] SPIEGEL-Gespräch mit Janina Kugel, Personalchefin bei Siemens, und Claudia Nemat, Technologievorstand bei der Deutschen Telekom. DER SPIEGEL. 42/2017, S. 74-76.

Die Vor- und Nachteile der Dummheit. Nr. 4: The masters of the universe

Wir waren fünf und konnten vor Kraft kaum laufen. Gemessenen Schrittes gingen wir die Straße entlang. Nicht etwa auf dem Bürgersteig, nein, wir gingen nebeneinander und nahmen die ganze Straße ein. Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn sich uns jemand in den Weg gestellt hätte. Wir waren unbesiegbar. Zu sagen, wir waren die Masters of the Universe, wäre vielleicht übertrieben, aber viel hat nicht gefehlt.

Ok, heute – um einige Jahrzehnte Lebenserfahrung und einige psychologische Erkenntnisse bereichert – sehe ich das anders. Wir waren 9-10 Jahre alt, vier Volks- und ein Hilfsschüler aus einer Eisenbahnersiedlung in Duisburg. Wir waren in verschiedenen Schulklassen, aber jeder war der Stärkste in seiner Klasse. (Bis auf mich, ich war nur der Zweitstärkste.) Und wenn sich uns eine gleichaltrige ähnlich geartete Gruppe entgegengestellt hätte, hätten wir die Auseinandersetzung wahrscheinlich gewonnen. Aber schon der Anblick eines Polizisten löste in uns kaum beherrschbare Fluchtreflexe aus. Und außer einer großen Klappe hatten wir nicht viel zu bieten.

Kurzum, ein krasser Fall von Selbstüberschätzung, alles andere als eine kluge, reflektierte, realitätsgerechte Einstellung. Zu unserer Verteidigung kann ich allerdings anführen, dass von diesem Phänomen nicht nur zehnjährige Lausebengel befallen sind, sondern dass fast alle Menschen zumindest zeitweise von ihr betroffen sind.

Selbstüberschätzung (auch Vermessenheitsverzerrung, Hybris, overconfidence) ist eine Form der systematischen Fehleinschätzung eigenen Könnens und eigener Kompetenzen. Man kann drei Arten der Selbstüberschätzung unterscheiden: Einschätzung 1. der aktuellen Leistung, 2. Einschätzung der Leistung relativ zur Leistung anderer Menschen und 3. Einschätzung des eigenen Wissens. Die fünf Duisburger Straßenjungen dürften in allen drei Bereichen Spitzenwerte erzielt haben. Selbstüberschätzung ist keine generelle Persönlichkeitseigenschaft eines Menschen. Sie ist in der Regel kontextabhängig.1

Fazit: Dieses Gefühl der Stärke, dieses Selbstbewusstsein – ich möchte das Erlebnis, das in erster Linie unserer damaligen Dummheit zu verdanken war, nicht missen.

1Seite „Selbstüberschätzung“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 14. April 2017, 16:45 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Selbst%C3%BCbersch%C3%A4tzung&oldid=164560513 (Abgerufen: 5. Oktober 2017)

Die Vor- und Nachteile der Dummheit. Nr. 2: Was ist Intelligenz?

„Es gibt drei Arten der Intelligenz: die eine versteht alles von selber, die zweite vermag zu begreifen, was andere erkennen, und die dritte begreift weder von selber noch mit Hilfe anderer.“ (Nicholo Machiavelli, Der Fürst)

Diese Einteilung des italienischen Politikers, Philosophen und Dichters Machiavelli (1469-1527) ist gut geeignet, grob zu skizzieren, was ich hier unter Intelligenz verstehen möchte.

Noch treffender ist allerdings die Definition von David Wechsler (1896-1981), einem US-amerikanischen Psychologen rumänisch-jüdischer Herkunft. Er definierte Intelligenz als „die zusammengesetzte oder globale Fähigkeit des Individuums, zweckvoll zu handeln, vernünftig zu denken und sich mit seiner Umgebung wirkungsvoll auseinanderzusetzen“. Um diese Fähigkeit messen zu können, hat er Tests entwickelt. Diese bauen auf der Annahme auf, dass die Intelligenz sich aus verschiedenen Fähigkeiten zusammensetzt, etwa einem verbalen und einem praktischen Faktor, die sich auch wieder in Unterfaktoren unterteilen lassen.

Die von Wechsler 1939 erstmals veröffentlichte Testbatterie wurde in Deutschland 1956 als HAWIE (Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene) publiziert. Im Jahre 2007 wurde der HAWIE durch eine überarbeitete Fassung, den WIE (Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene) abgelöst.

Der WIE besteht aus 15 Skalen oder Untertests, die in vier Aufgabengruppen aufgeteilt sind:

  1. Sprachverständnis: Gemeinsamkeiten finden, Wortschatz-Test, Allgemeines Wissen, Allgemeines Verständnis.
  2. Wahrnehmungsgebundenes logisches Denken: Mosaik-Test, Matrizen-Test, Visuelle Puzzles, Formenwaage, Bilder ergänzen.
  3. Arbeitsgedächtnis: Zahlen nachsprechen, Rechnerisches Denken, Buchstaben-Zahlen-Folge.
  4. Verarbeitungsgeschwindigkeit: Symbolsuche, Zahlen-Symbol-Test, Durchstreich-Test.

Anhand von Normtabellen lässt sich die Leistung eines Probanden mit den Leistungen seiner Altersgruppe vergleichen, so lässt sich der sogenannte Intelligenzquotient (IQ) ermitteln. Die Intelligenz ist in der Bevölkerung – so die Annahme – in etwa normmalverteilt. Für den IQ wurde festgelegt, dass der arithmetische Mittelwert 100 und die Standardabweichung 15 betragen. Wenn jemand mit diesen Begriffen nichts anfangen kann, ist das nicht schlimm. Für unsere Zwecke ist wichtig: Wenn man die Normalverteilung grafisch darstellt, sieht sie aus wie eine Kirchenglocke. Oben ist eine Rundung, zu beiden Seiten neigt sie sich nach unten, zunächst recht steil, und dann biegen sich die beiden Linien nach außen und enden ganz flach. In der Mitte dieser Biegung, sozusagen in der Mitte des Glockenrandes, befinden wir uns jeweils 15 Standardabweichungspunkte vom Mittelwert, hier denken wir uns jeweils einen senkrechten Strich. Der waagerechte Strich, auf dem die Glocke steht, steht für den IQ. Genau in der Mitte der Glocke beträgt der IQ 100. Bei dem senkrechten Strich auf der rechten Seite beträgt der IQ 115 (100 + 15). Bei dem senkrechten Strich auf der linken Seite beträgt der IQ 85 (100 – 15). Die senkrechte Achse repräsentiert die Anzahl der Personen, die einem bestimmten IQ zuzuordnen sind.

Der größere Teil der Personen sind dem mittleren Bereich zuzuordnen, sie haben einen IQ zwischen 85 und 115. Diese bezeichnen wir als durchschnittlich intelligent.

Diejenigen mit einem IQ von 116 oder höher bezeichnen wir als überdurchschnittlich intelligent. Das sind etwa 16%.

Diejenigen mit einem IQ von 85 oder niedriger bezeichnen wir als unterdurchschnittlich intelligent. Das sind ebenfalls etwa 16%.

Die beiden abweichenden Gruppen ergeben zusammen also 32%; in der Mitte haben wir den großen Rest, 68% der Bevölkerung.

Übrigens: Als hochbegabt gilt jemand, dessen IQ um mindestens zwei Standardwerte vom Mittelwert abweicht, und zwar nach rechts. Der IQ beträgt dann mindestens 130. Zu dieser Elitegruppe dürfen sich etwa zwei Prozent der Bevölkerung rechnen. Das Ganze wird soll noch mit einer Grafik veranschaulicht werden. Glockenkurve gezeichnet

Ein Gesamt-IQ kann sich ganz unterschiedlich zusammensetzen. Jemand kann einen Verbal-IQ von 85 und einen Handlungs-IQ von 115 haben, bei einem anderen kann es genau umgekehrt sein. Beide haben einen Gesamt-IQ von 100, aber ihre Begabungsschwerpunkte liegen auf unterschiedlichen Gebieten. Der eine ist vielleicht ein guter Journalist, der aber zwei linke Hände hat. Der andere mag ein guter Ingenieur sein, kann seine Gedanken aber schlecht in Worte fassen. Das alles sagt überhaupt nichts über den Wert oder Unwert eines Menschen aus.

Den Begriff unintelligent verwenden wir als Gegenteil von intelligent. Auf Personen bezogen bedeutet das, jemand ist intelligent, wenn er mindestens durchschnittlich intelligent ist, also zu dem überwiegenden Anteil der Menschheit (84%) gehört, während die anderen (16%) als unintelligent bezeichnet werden. Das soll keine Wertung sein, aber der negative Beigeschmack lässt sich wahrscheinlich nicht überdecken.

Auf Worte, Taten oder Regeln bezogen bedeutet unintelligent, dass hier etwas gemacht wurde, das nicht wirklich verstanden wurde. Dies kann entweder der Fall sein, wenn der oder die betreffenden Personen unintelligent sind, sie also nicht in der Lage sind, den zur Rede stehenden Sachverhalt verstandesmäßig zu durchdringen. Oder aber – und das ist der Normalfall – an sich intelligente Menschen handeln unintelligent, weil sie den zur Rede stehenden Sachverhalt verstandesmäßig nicht durchdrungen haben, obwohl sie grundsätzlich dazu in der Lage wären. Gründe hierfür können z.B. sein, dass sie sich nicht genug Zeit genommen haben, dass sie müde oder emotional sehr angespannt waren, dass sie sich nicht konzentriert haben oder auf die Worte eines vermeintlich intelligenten und ehrlichen Menschen vertraut haben.

Das Ziel unserer Überlegungen ist, die Häufigkeit unintelligentes Verhalten dadurch zu verringern, dass man sich etwa Zeit nimmt, nicht aus dem Bauch heraus entscheidet oder Menschen vertraut, die es ja leider nicht alle gut mit einem meinen.

Lutz Gretenkord

Die Vor- und Nachteile der Dummheit. Nr. 1: Einführung.

Es ist kaum vorstellbar, dass etwas so häufig Vorkommendes und offensichtlich Unausrottbares wie die Dummheit keine Vorteile hat. Diese vor allem sollen in diesem Blog beleuchtet werden.

Dieser erste Beitrag dient der Begriffsdefinition.

Vieles, was über die Dummheit gesagt und geschrieben wird, leidet darunter, dass nicht deutlich wird, was jeweils unter Dummheit verstanden wird.

Menschen werden oft als dumm bezeichnet, darum geht es uns in diesem ersten Beitrag aber noch nicht. Es gibt aber viele eigentlich intelligente Menschen, die mitunter dumm handeln oder Blödsinn reden. Oder, anders ausgedrückt, es gibt dumme Handlungen, und es gibt dumme Äußerungen. Auch gibt es dumme Regeln, also etwa Gesetze.

Das Wort dumm vermischt verschiedene Aspekte, die hier auseinandergehalten werden sollen.

Wahlweise wird dumm als das Gegenteil von dumm schlau, klug, weise oder auch intelligent verstanden.

Aber was ist da der Unterschied?

Hier in meinem Blog wird darunter Folgendes verstanden:

  • „Schlau“: Dient – zumindest kurzfristig – dem eigenen Vorteil, ohne Rücksicht auf die Belange der Mitmenschen.
  • „Klug“: Dient – auch längerfristig – dem eigenen Vorteil, berücksichtigt zudem auch die Interessen der Mitmenschen.
  • „Weise“: Ist nicht nur für das jeweilige Individuum und seine Mitmenschen längerfristig vorteilhaft, sondern sozusagen bis in alle Ewigkeit.

Es wird hier also auch ein moralischer Aspekt berücksichtigt. Die Schlauheit ist egoistisch, die Klugheit moralisch zumindest neutral und die Weisheit stets ethisch einwandfrei.

Der Begriff Intelligenz ist wertneutral, er wurde in der psychologischen Wissenschaft entwickelt und definiert. Er bezieht sich eigentlich auf Personen, die – gemessen mit Intelligenztests – mehr oder weniger intelligent sein können. Er wird aber auch im Zusammenhang mit einzelnen Verhaltensweisen gebraucht. („Den Schlüssel in der Wohnung zu lassen und dann von außen die Haustür zuzuschlagen, war aber nicht sehr intelligent von dir.“) Ob der Begriff wirklich so wertneutral ist, wie er ursprünglich gemeint war, ist allerdings die Frage. Jedenfalls dürfte kaum jemand begeistert sein, wenn er in einem Intelligenztest schlecht abschneidet oder von anderen für wenig intelligent gehalten wird.

Das Problem des Wortes dumm ist, dass damit jeweils das Gegenteil der soeben erörterten Begriffe gemeint sein kann, es aber durchaus nicht immer klar ist, ob gerade das Gegenteil von schlau, klug, weise oder intelligent gemeint ist.

Im Folgenden geht es vor allem um die Wörter schlau und klug. Auf die Intelligenz gehen wir in unserem nächsten Beitrag ein, und die Weisheit überlassen wir den Philosophen.

Das Gegenteil von klug ist unklug, ein durchaus gängiger Begriff, der sich auch im Duden findet.

Das Gegenteil von schlau wird in meinem Blog als unschlau bezeichnet. Dieses Wort wird – wenn überhaupt – selten gebraucht, auch im Duden habe ich es nicht gefunden. Aber jeder kann sich wohl vorstellen, was damit gemeint ist. Hierunter  fallen etwa Verhaltensweisen, die unter dem Motto „dümmer als die Polizei erlaubt“ stehen, wenn also etwa wenn jemand unmaskiert eine Tankstelle überfällt, in der er erstens bekannt ist und zweitens eigentlich wissen müsste, dass dort eine Überwachungskamera ist. Der Begriff dumm wird in diesem Zusammenhang allerdings auch gebraucht, wenn etwa ein Einbrecher seinen frisch ausgestellten Personalausweis am Tatort lässt; hier dürfte es sich in der Regel aber nicht um Unschlauheit, sondern eher um Schusseligkeit handeln.

In unseren Beiträgen werden wir das Wort dumm weitgehend vermeiden und stattdessen von unklug bzw. unschlau sprechen.

Wir haben es also, um das Wesentliche noch einmal zusammenzufassen, mit folgenden beiden Begriffen und dem jeweiligen Gegenteil zu tun:

  • Klug. Eine Aussage, eine Handlung oder auch eine Regel ist klug, wenn sie – auch längerfristig – von Vorteil ist, wobei die Interessen der Mitmenschen berücksichtigt werden. Das Gegenteil ist unklug.
  • Eine Aussage, eine Handlung oder auch eine Regel ist schlau, wenn sie – auch längerfristig – für einen selbst von Vorteil ist, wobei die Interessen der Mitmenschen keine Rolle spielen. Das Gegenteil ist unschlau.

Bosbach verlässt Maischberger-Talkshow

Nachdem Wolfgang Bosbach die Maischberger-Show verlassen hatte, wurde ihm in einem Kommentar von Christiane Hoffmann im SPIEGEL (29/2017, S. 10) unterstellt, dass er dies kalkuliert getan habe, um auch weiterhin im Gespräch zu bleiben und in Talkshows eingeladen zu werden.

Dazu habe ich einen Leserbrief an den SPIEGEL gemailt, der folgenden Inhalt hat:

Zugegeben: Ich bin bekennender Bosbach-Fan. Ich habe den Eindruck, dass er keine leeren Phrasen drischt, sondern dass er sachkundig ist, erfahren, fair, sein Fähnchen nicht nach dem Winde hängt – klug im besten Sinne des Wortes. (Allerdings halte ich ihn auch für einen Menschen, also weder für unfehlbar noch frei von jeglichen Schwächen.) Darüberhinaus halte ich ihn für engagiert, zudem ist er auch noch rhetorisch ein As. Gefühlten 95% seiner Äußerungen kann ich vorbehaltlos zustimmen, und das, obwohl ich nach eigener Einschätzung eher links-liberal bin. (Frau Hoffmann würde mich wohl eher als Rechtsaußen einschätzen.)

Dafür, dass Wolfgang Bosbach die Sendung verlassen hat, war – so Christiane Hoffmann – der Auftritt von Jutta Ditfurth „bestimmt keine hinreichende Erklärung“. Sie kann sich nicht vorstellen, dass jemandem der Kragen platzt, nur weil Jutta Ditfurth etwa schildert, wie brutal die Polizei gegen Menschen vorgegangen ist, nur, weil diese dunkel gekleidet waren. (Jetzt ist mir erst bewusst geworden, was ich bisher für ein Glück gehabt habe. Auch ich bin oft dunkel gekleidet, und in diesem Aufzug jahrelang in verschiedenen deutschen Städten rumgelaufen, und ich bin bisher noch nie von der Polizei zusammengeschlagen worden. Toi, toi, toi!)

Ich gehe davon aus, dass die journalistische Arbeit von Christiane Hoffmann unter der Maxime steht, die Wahrheit zu finden, die Fakten zu benennen und die eigene – faktenbasierte – Meinung unerschrocken zu formulieren. (Und nicht etwa auf Quoten zu schielen, oder gar nach dem Grundsatz vorzugehen: Immer kräftig verleumden, irgendetwas bleibt immer hängen.)

Ist es Christiane Hoffmann mit diesem Beitrag gelungen, einem aufmerksamkeitsgeilen Narzissten die Maske vom Gericht zu reißen? Mich hat sie nicht überzeugt.

Lutz Gretenkord, Marburg