Die Vor- und Nachteile der Dummheit. Nr. 2: Was ist Intelligenz?

„Es gibt drei Arten der Intelligenz: die eine versteht alles von selber, die zweite vermag zu begreifen, was andere erkennen, und die dritte begreift weder von selber noch mit Hilfe anderer.“ (Nicholo Machiavelli, Der Fürst)

Diese Einteilung des italienischen Politikers, Philosophen und Dichters Machiavelli (1469-1527) ist gut geeignet, grob zu skizzieren, was ich hier unter Intelligenz verstehen möchte.

Noch treffender ist allerdings die Definition von David Wechsler (1896-1981), einem US-amerikanischen Psychologen rumänisch-jüdischer Herkunft. Er definierte Intelligenz als „die zusammengesetzte oder globale Fähigkeit des Individuums, zweckvoll zu handeln, vernünftig zu denken und sich mit seiner Umgebung wirkungsvoll auseinanderzusetzen“. Um diese Fähigkeit messen zu können, hat er Tests entwickelt. Diese bauen auf der Annahme auf, dass die Intelligenz sich aus verschiedenen Fähigkeiten zusammensetzt, etwa einem verbalen und einem praktischen Faktor, die sich auch wieder in Unterfaktoren unterteilen lassen.

Die von Wechsler 1939 erstmals veröffentlichte Testbatterie wurde in Deutschland 1956 als HAWIE (Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene) publiziert. Im Jahre 2007 wurde der HAWIE durch eine überarbeitete Fassung, den WIE (Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene) abgelöst.

Der WIE besteht aus 15 Skalen oder Untertests, die in vier Aufgabengruppen aufgeteilt sind:

  1. Sprachverständnis: Gemeinsamkeiten finden, Wortschatz-Test, Allgemeines Wissen, Allgemeines Verständnis.
  2. Wahrnehmungsgebundenes logisches Denken: Mosaik-Test, Matrizen-Test, Visuelle Puzzles, Formenwaage, Bilder ergänzen.
  3. Arbeitsgedächtnis: Zahlen nachsprechen, Rechnerisches Denken, Buchstaben-Zahlen-Folge.
  4. Verarbeitungsgeschwindigkeit: Symbolsuche, Zahlen-Symbol-Test, Durchstreich-Test.

Anhand von Normtabellen lässt sich die Leistung eines Probanden mit den Leistungen seiner Altersgruppe vergleichen, so lässt sich der sogenannte Intelligenzquotient (IQ) ermitteln. Die Intelligenz ist in der Bevölkerung – so die Annahme – in etwa normmalverteilt. Für den IQ wurde festgelegt, dass der arithmetische Mittelwert 100 und die Standardabweichung 15 betragen. Wenn jemand mit diesen Begriffen nichts anfangen kann, ist das nicht schlimm. Für unsere Zwecke ist wichtig: Wenn man die Normalverteilung grafisch darstellt, sieht sie aus wie eine Kirchenglocke. Oben ist eine Rundung, zu beiden Seiten neigt sie sich nach unten, zunächst recht steil, und dann biegen sich die beiden Linien nach außen und enden ganz flach. In der Mitte dieser Biegung, sozusagen in der Mitte des Glockenrandes, befinden wir uns jeweils 15 Standardabweichungspunkte vom Mittelwert, hier denken wir uns jeweils einen senkrechten Strich. Der waagerechte Strich, auf dem die Glocke steht, steht für den IQ. Genau in der Mitte der Glocke beträgt der IQ 100. Bei dem senkrechten Strich auf der rechten Seite beträgt der IQ 115 (100 + 15). Bei dem senkrechten Strich auf der linken Seite beträgt der IQ 85 (100 – 15). Die senkrechte Achse repräsentiert die Anzahl der Personen, die einem bestimmten IQ zuzuordnen sind.

Der größere Teil der Personen sind dem mittleren Bereich zuzuordnen, sie haben einen IQ zwischen 85 und 115. Diese bezeichnen wir als durchschnittlich intelligent.

Diejenigen mit einem IQ von 116 oder höher bezeichnen wir als überdurchschnittlich intelligent. Das sind etwa 16%.

Diejenigen mit einem IQ von 85 oder niedriger bezeichnen wir als unterdurchschnittlich intelligent. Das sind ebenfalls etwa 16%.

Die beiden abweichenden Gruppen ergeben zusammen also 32%; in der Mitte haben wir den großen Rest, 68% der Bevölkerung.

Übrigens: Als hochbegabt gilt jemand, dessen IQ um mindestens zwei Standardwerte vom Mittelwert abweicht, und zwar nach rechts. Der IQ beträgt dann mindestens 130. Zu dieser Elitegruppe dürfen sich etwa zwei Prozent der Bevölkerung rechnen. Das Ganze wird soll noch mit einer Grafik veranschaulicht werden. Glockenkurve gezeichnet

Ein Gesamt-IQ kann sich ganz unterschiedlich zusammensetzen. Jemand kann einen Verbal-IQ von 85 und einen Handlungs-IQ von 115 haben, bei einem anderen kann es genau umgekehrt sein. Beide haben einen Gesamt-IQ von 100, aber ihre Begabungsschwerpunkte liegen auf unterschiedlichen Gebieten. Der eine ist vielleicht ein guter Journalist, der aber zwei linke Hände hat. Der andere mag ein guter Ingenieur sein, kann seine Gedanken aber schlecht in Worte fassen. Das alles sagt überhaupt nichts über den Wert oder Unwert eines Menschen aus.

Den Begriff unintelligent verwenden wir als Gegenteil von intelligent. Auf Personen bezogen bedeutet das, jemand ist intelligent, wenn er mindestens durchschnittlich intelligent ist, also zu dem überwiegenden Anteil der Menschheit (84%) gehört, während die anderen (16%) als unintelligent bezeichnet werden. Das soll keine Wertung sein, aber der negative Beigeschmack lässt sich wahrscheinlich nicht überdecken.

Auf Worte, Taten oder Regeln bezogen bedeutet unintelligent, dass hier etwas gemacht wurde, das nicht wirklich verstanden wurde. Dies kann entweder der Fall sein, wenn der oder die betreffenden Personen unintelligent sind, sie also nicht in der Lage sind, den zur Rede stehenden Sachverhalt verstandesmäßig zu durchdringen. Oder aber – und das ist der Normalfall – an sich intelligente Menschen handeln unintelligent, weil sie den zur Rede stehenden Sachverhalt verstandesmäßig nicht durchdrungen haben, obwohl sie grundsätzlich dazu in der Lage wären. Gründe hierfür können z.B. sein, dass sie sich nicht genug Zeit genommen haben, dass sie müde oder emotional sehr angespannt waren, dass sie sich nicht konzentriert haben oder auf die Worte eines vermeintlich intelligenten und ehrlichen Menschen vertraut haben.

Das Ziel unserer Überlegungen ist, die Häufigkeit unintelligentes Verhalten dadurch zu verringern, dass man sich etwa Zeit nimmt, nicht aus dem Bauch heraus entscheidet oder Menschen vertraut, die es ja leider nicht alle gut mit einem meinen.

Lutz Gretenkord

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