Die Vor- und Nachteile der Dummheit. Nr. 3: Arbeit ist was für Dumme!

Heute stand ein Artikel über eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in meiner Zeitung (Oberhessische Presse vom 18.08.2017). Im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung wurden sechs Musterhaushalte untersucht; es wurde errechnet, wie viel von einem zusätzlich verdienten Euro übrig bleibt, wenn man Beiträge zur Sozialversicherung, Steuerzahlungen und den Entzug von Sozialleistungen berücksichtigt. So wird bei einem Mehrverdienst bei Beziehern von Arbeitslosengeld II der Mehrverdienst entsprechend gekürzt, so dass in diesem Musterhaushalt jeder zusätzlich verdiente Euro zu einer Mehrbelastung von mehr als €1,20 führte, oder anders ausgedrückt, jeder hinzu verdiente Euro sorgt für 20 Cent weniger in der Haushaltskasse. Bei Leuten, die €90.000 jährlich brutto verdienten, bleiben dagegen 66 Cent von jedem Euro übrig.

Dies ist ein schönes Beispiel einer unklugen und unintelligenten Regelung. Regeln sollten für alle gelten, in diesem Fall also für alle, die ihr Geld mit Arbeit verdienen. Diese Regelung ist aber nur für Leute von Vorteil, die gut – oder besser noch sehr gut – verdienen.

Letztere sind aber in der Regel diejenigen, die diese Regeln schaffen. Sie haben also schlau gehandelt: Sie profitieren ja davon, die Zeche zahlen andere.

Wenn ein Geringverdiener diese Regelung gut findet und etwa für diese Regelung verantwortliche Parteien wählt, dann ist das aus meiner Sicht nicht nur unklug, sondern auch unschlau, er hat ja den Schaden.

Je mehr die Spitzenverdiener ihre eigenen Privilegien zulasten der Normalbevölkerung ausdehnen, desto eher geht das in Richtung Unschlauheit; auf lange Sicht merken die von ihnen verachteten Dummköpfe vielleicht doch, dass beim Verdienst nicht nur Fachverstand und Fleiß zählen, es steigt die Gefahr sozialer Unruhen, die auch den Privilegierten Nachteile bescheren können.

Auf jeden Fall kann der Forderung des Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann-Stiftung nur zugestimmt werden, dass mit Reformen die Regelungen so aufeinander abgestimmt werden sollten, dass sich mehr Erwerbsarbeit für jeden lohnt. Das wäre klug.

Lutz Gretenkord

 

Definitionen (siehe Nr. 1 und 2 dieses Blogs):
  • „Schlau“: Dient – zumindest kurzfristig – dem eigenen Vorteil, ohne Rücksicht auf die Belange der Mitmenschen.
  • „Klug“: Dient – auch längerfristig – dem eigenen Vorteil, berücksichtigt zudem auch die Interessen der Mitmenschen.
  • „Weise“: Ist nicht nur für das jeweilige Individuum und seine Mitmenschen längerfristig vorteilhaft, sondern sozusagen bis in alle Ewigkeit.
  • „Intelligent“: Jemand ist in der Lage, einen auch komplexen Sachverhalt zu verstehen, vernünftig und logisch zu denken und sich mit seiner Umgebung wirkungsvoll auseinanderzusetzen. Dieser Begriff wird moralisch neutral gebraucht, sowohl ein Herzchirurg als auch ein Serienkiller können hochintelligent sein.
Wenn man ein „un“ vor das Wort setzt (unschlau, unklug, unweise, unintelligent) ist damit das Gegenteil gemeint. Die Begriffe können sich sowohl auf Personen als auch auf Handlungen oder sprachliche Äußerungen beziehen.

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