LGs Journal Club

LGs Journal Club. Nr. 2017-01

Skeem JL, Manchak S, Montoya L. Comparing Public Safety Outcomes for Traditional Probation vs Specialty Mental Health Probation. JAMA Psychiatry. Published online August 09, 2017. doi:10.1001/jamapsychiatry.2017.1384

In dieser kanadischen Untersuchung wurde die Frage untersucht, ob psychisch gestörte Rechtsbrecher von einer intensiven speziell auf sie zugeschnittenen Form der Bewährung profitieren. Die ersten Probanden wurden im Jahre 2005 untersucht, die Datenerfassung wurde 2013 abgeschlossen. Es wurden zwei Gruppen gebildet, gematcht nach Alter, Geschlecht, Rasse, Bewährungszeit und Deliktart. Teilnehmer waren 359 Probanden mit gravierenden psychischen Problemen (darunter 154 Frauen; Durchschnittsalter 36,9 Jahre). Sie wurden dreimal untersucht, zudem wurde die Rückfälligkeit anhand von Unterlagen erfasst.

Die intensiv betreuten Probanden („specialty probationers“) wurden von Personen betreut, die für weniger Fälle zuständig waren und von Experten supervidiert wurden.

Die intensiv Nachbetreuten waren nicht weniger gewalttätig als die auf herkömmliche Weise Betreuten, wurden jedoch im Risikozeitraum (2-5 Jahre) 2,7mal seltener erneut verhaftet („rearrest“). Nach zwei Jahren betrug die mittels multivariater Methoden berechnete geschätzte Wahrscheinlichkeit einer Verhaftung bei den „specialty probationers“ 28,6% im Vergleich zu 51,8% bie den „traditional probationers“.

Die Autoren resümieren, dass die spezialisierte Bewährung wohl nicht die Anzahl erneuter Gewalttaten reduziert, dass sie aber die Rückfälligkeit allgemein („general recidivism“) wirksam senken kann. Es müssen also weniger Menschen im Freiheitsentzug sein, was einerseits natürlich für die betroffenen psychisch gestörten Rechtsbrecher ein ganz großer Vorteil ist, zudem spart es der Allgemeinheit auch ganz erhebliche Kosten.

Lutz Gretenkord